Neuaufstellung

Eine Krankheit managen

Es sind bereits mehrere Monate vergangen seit meinem Aufenthalt in Brasilien. Täglich nehme ich die verschriebene Medizin und Es arbeitet an mir. Es gibt keine Operationen mehr und auch keine Konsultationen von der Anderswelt. Das hat sich in Brasilien anders angefühlt. Die Symptome sind geblieben und ich durchlaufe eine ganze Kaskade von von Arztbesuchen – verstärkt auf neurologischer Seite, um mögliche Hirn-/ oder Nervenschädigungen auszuschließen. Erst im September steht fest, dass neurologisch Nichts zu finden ist. Etwa um die gleiche Zeit besuche ich einen Spezialisten auf dem Gebiet der Hämatologie. Er hat einen Forschungssitz in Aachen und bestätigt die Diagnose.

Doch es passiert etwas Außerordentliches. Ich fasse Vertrauen zu ihm.

Und ich stelle fest, dass es erhebliche Unterschiede zwischen den Ärzten, den Krankenhäusern und Forschungseinrichtungen gibt. Zwei weitere Male höre ich mir in den nächsten Monaten von Hämatologen an, dass ich meinen Zustand eben akzeptieren müsse und mich an die Therapie des Aderlasses gewöhnen solle. Eine Stimme in mir verrät mir aber, dass es da noch andere Möglichkeiten gibt.

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Dieser Weg beginnt mit den Untersuchungen an der Uniklinik Aachen. Sobald mir die Ärzte aus neurologischer Sicht versichert hatten, dass Schwindel und der Allgemeinzustand des immer stärker empfundenen „Dahinsiechens“ nichts mit ihrem Fachgebiet zu tun hätten, war das das Signal in Aachen, der hämatologischen Behandlung den Vorrang zu geben.

Etwas kommt ins Fließen. In kurzer Zeit wechsele ich den ortsansässigen Hämatologen und lasse mir einen Kontakt am Klinikum Kassel empfehlen. Der Universitätsprofessor in Aachen und meine neue Hämatologin in Kassel sind sofort gewillt zusammenzuarbeiten und es scheint plötzlich keine Probleme mehr zu geben. Eine Psychiaterin schließt sich in Folge an, die mich bei der Behandlung mit einem vielversprechendem Medikament begleiten wird. Ich bin erleichtert. Zwei Jahre Hölle liegen plötzlich hinter mir und eine Hoffnung auf Verbesserung meiner Lebensumstände keimt wieder.

Ich spüre deutlich, dass es in der Form der Behandlung nicht um ein Entweder-Oder geht, sondern darum, eine möglichst ausgewogene Symbiose zwischen körperlicher und geistiger Behandlung zu finden. Es geht darum, meiner inneren Intuition zu folgen und gleichzeitig die neuesten Erkenntnisse der Forschung zu nutzen. Im Idealfall sehe ich mich als Brückenbauer zwischen den Welten von „Heilbehandlungen“ und „wissenschaftlich fundierter Forschung“. Ich fühle mich wie das Gefäß des Alchimisten, in dem scheinbar widersprüchliche Substanzen zu Gold werden. So bekommt auch die Krankheit wieder Sinn, da sie mich herausfordert und auf die Probe stellt und mich nach meinen eigenen Forschungenergebnissen fragt. Die Bedeutung des Wortes „Ringen“ trifft meine Wahrnehmung am ehesten. Die tägliche Auseinandersetzung mit den Symptomen ist kein Kampf, keine Aufgabe, kein Erdulden, sondern maximal ein Ertragen. Im Ringen geht es um einen Gewinn. Ich fühle, dass ich Ausdauer brauche und dass ich mich anstrengen muss. Ich will weiter wach sein und einen offenen Geist bewahren. Dinge, die nicht funktionieren, gilt es hinter mir zu lassen. Jegliches Nachtragen kostet Energie und verschwendet meine Ressourcen.

So habe ich:

  1. die Entscheidung getroffen, meinen physischen Zustand nicht hinzunehmen.
  2. mir Menschen an die Seite gestellt, zu denen ich Vertrauen habe.

Ich bin bereit, diesen neuen Weg in aller Konsequenz zu gehen.

Ich fühle mich neu aufgestellt.

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