Mein Körper gehört mir nicht

In meinen Meditationen sehe ich immer klarer Bewusstsein. Nicht nur Gedanken lösen sich von Identität, auch das Gefühl „Körper zu sein“ wird immer unwahrscheinlicher. Kontrollieren kann ich wenig: ein großes Zugeständnis. Mein Körper ist ein Geschenk des Lebens, ein Fahrzeug, das erstaunliche Eigenschaften aufweist. So regeneriert sich der Körper ständig. Wir sind nicht so solide wie wir glauben. Mein Körper scheint mehr eine Erscheinung zu sein als ein Gebilde. Die Prozesse sind dynamisch bis ins kleinste Detail durchdacht und in einem gesunden Organismus im Gleichgewicht. Das, was ihn erschaffen hat, hält ihn am Leben: das Leben. Ein Strom von Energie versorgt die Zellen. Ich spüre grosse und kleine Strömungen wie in den Ozeanen. Ich fühle die Passat-winde in meiner Aura. Dabei sind diese Bewegungen nur die Spiegelungen der inhärenten Kraft in allem. Nassim Harramein hat diese Kraft mit den Planckschen Teilchen in Verbindung gebracht. Plötzlich bekommt die Gravitation ein anderes Gesicht. Fluktuationen in den Feldern führen dazu, dass sich Universen formen, Sonnensysteme und Lebewesen entstehen und entwickeln. Das ist Schöpfung in Reinform. Ich fühle ein großes Gesetz am Wirken.

Dabei folgt alles dem Prinzip der Verbundenheit, der Anziehung und der Entwicklung zu immer größerer Komplexität. Voller Staunen kann ich diesem großen Prozess am Ende nur Zustimmen. Und doch scheint etwas in mir ein Rolle spielen zu dürfen mit der Art wie ich Gedanken formuliere, mit Gefühlen umgehe und Aktionen vollbringe. Aus immer mehr wissenschaftlichen Ecken wird die Erkenntnis laut, dass alles Bewusstsein und Energie ist: Stille und Bewegung – so nennen es Meditierende. Materie wird dabei immer mehr zur Randerscheinung gegenüber dem allesdurchdringenden Raum von 99,99999%. Zudem sind auch die Bestandteile eines menschlichen Körpers nicht so solide wie wir oft glauben. Millionen von Zellen werden minütlich nachgebildet. Andere Millionen sterben ab. Kann ich also von einem soliden Konstrukt sprechen, das mein Körper ist? Was sehe ich? Was fühle ich letztlich? Was berühre ich, wenn ich von Materie spreche?

Der Gedanke, dass in meinem Körper Elemente aus dem All verbaut sind, fasziniert mich. Wenn ich die Erde nicht mehr getrennt vom Kosmos sehe, dann bin ich mitsamt dem Planeten eingebettet in dieses große Mysterium des Lebens, das sich ständig weiterentwickelt. Ich habe diesen Organismus „Mensch“ geliehen für eine bestimmte Lebenszeit, um Erfahrungen zu sammeln. Ich darf diesen Ort des Universums, den wir „Erde“ nennen, für eine bestimmte Zeit als meine Heimat betrachten und darin umgehen. Immer deutlicher wird alles um mich herum ein Mysterium, das Schönheit beinhaltet und wie ein Wunderwerk funktioniert, entsteht und vergeht.