Sterben

Ich erinnere mich an die Worte des Buddha:

Der Tod ist sicher. Die Zeit des Todes ist unklar.

Wie oft habe ich auf diesen Satz meditiert! Es war ein Gedankenspiel mit der Phantasie von Endlichkeit. Tatsächlich ist diese Endlichkeit Phantasie und doch fühlt sie sich so real an.

Wie kann ich das Sterben ganz erfassen in all den Geschichten des Alltags? Wie kann ich etwas greifen, dass durch unzählige Konditionierungen außer Reichweite gekommen ist?

Die nackte Wahrheit ist, dass nichts als das Bewusstsein selbst von Dauer ist.

Ich suche mich. Aber ich finde mich nicht mehr. Da hängen noch ein paar Fetzen Erinnerung aus einer Zeit, in der ich funktioniert habe. Meine Kreativität ist noch lebendig. Sie entwirft mir die farbenfrohen Bilder, die sich jenseits von Form auf der Oberfläche meines Geistes wiederspiegeln.

Was ist Leben anders als kontinuierliches Sterben? Kann ich darin meinen Frieden finden – einen Frieden, der die Jahrtausende überdauert?

Es schmerzt etwas – dieses Zulassen. Vielleicht ist es ein kleiner Todesstoss. Vielleicht ist es Loslassen. Vielleicht ist es ein Einwilligen in die Größe der Unvorhersehbarkeit. Ist es Aufgeben? Vielleicht ist es eine Kapitulation gegenüber den unendlichen Versuchen zu erreichen, zu definieren, zu formen. Wer formt schon?

Ein eigenartig süßer Duft steigt aus diesen Mitten. Er ist sanft und umschmeichelt. Ein Blick erhebt sich. Versuche – noch einmal! Ein bisschen weiter noch! Eine verführerische Einladung zum Tanz. Langsam – Schritt für Schritt. Takt für Takt. Blick für Blick. Ich bin – immer noch. Lass‘ zu! Schließe deine Augen und träume dich in eine neue Wirklichkeit.