Perpignan

Die ersten Tage dienen mir, um mich am Campingplatz einzurichten und mich mit Nahrungsmitteln einzudecken. Im Laufe der folgenden Wochen genieße ich den Rhythmus des Alltäglichen. Ich stehe auf, dusche und mache mir etwas zum Frühstück. Dann ziehe ich mir die Kompressionsstrümpfe an, da ich inzwischen Wassereinlagerungen in den Beinen habe. Außerdem habe ich ein besseres Gefühl bei meinen Besuchen in der Stadt. Dann gehe ich Richtung Bushaltestelle. Auf dem Weg über den Strand mache ich ein paar morgendliche Energieübungen mit Blick auf das Meer. Dann nehme ich den Bus. In 45 Minuten fährt er mich in die Innenstadt und ich laufe die letzten 5 Minuten bis zur Praxis von Christine zu Fuß.

Nach der Therapiesitzung gehe ich in der Stadt spazieren. Bis der Bus abfährt vergeht meist noch eine Stunde. Dann schaue ich mir die Läden der Innenstadt an oder kaufe mir noch etwas zum Essen.

Ich entdecke die Kirche von St. Johannes dem Täufer. Oft vertreibe ich mir die Zeit mit Gebeten und genieße gleichzeitig die angenehme Kühle des Steinbaus.

Der Schwindel ist in all den Tagen groß. Oft frage ich mich, wie man dieses Gefühl im Körper beschreiben soll – das Gefühl, dass der Betonboden unter mir nachgibt und plötzlich zu einer Gummimatte wird. Manchmal fangen die Regale in Geschäften zum Schwanken an. Dann habe ich immer wieder das Gefühl, keinen Atem mehr zu haben und die Angst keimt in mir, dass ich in Ohnmacht falle und mir schwarz vor Augen wird.

45 Minuten dauert die Rückfahrt. Es sind die gleichen Menschen, denen ich im Bus begegne. Man nickt sich freundlich zu.

Am Camper hat es bei meiner Ankunft oft schön 36 Grad im Schatten. Ich muss vorallem raus aus den Kompressionsstrümpfen. Dann gibt es kaltes Mittagessen und dann setzt die grosse Erschöpfung ein. Alles, was ich die letzten Stunden gemacht habe ist ein grosser Willensakt gewesen. Mein Speichereisen ist durch die vielen Aderlässe nicht mehr vorhanden und in meiner Diagnose spricht man von Anämie. Ein mehrstündiger Schlaf im Schatten wird notwendig.

Gegen Abend dann kann ich an den Strand. Das Meer ist faszinierend mit seinen krauseligen, kleinen Wellen an sonnigen Tagen und den tosenden, sich überschlagenden Wellen, wenn es bewölkt ist. Manchmal benutze ich auch den Pool mit seinem warmen Wasser.

Bevor die Sonne untergeht, habe ich genug Zeit, mir ein Abendessen zu kochen. Dann lasse ich die Gedanken gleiten und fühle oft, wie unsicher meine Zukunft ist.

Ohne die Gegenwart wäre ich aufgeschmissen. Gott sei Dank ist diese beständig.