Taken in Kassel – CC 4.0 International

Flüchtlinge … Menschen in Bewegung I

Keiner möchte an Stelle eines Menschen stehen, der sich mit fast nichts aus seiner Heimat aufmacht in eine ungewisse Zukunft, sein Leben riskiert, sein Vermögen einsetzt, Ablehnung in Kauf nimmt und Bindungen hinter sich lässt.

Die Geschichte zeigt, dass immer wieder Menschenströme unterwegs waren, um in anderen Gebieten der Welt ihre neue Heimat zu finden. Auslöser für die Wanderungen waren Hunger, die Flucht vor Krieg und Zerstörung und die Aussicht auf ein besseres Leben.

Wieder einmal befinden sich Menschen auf der Flucht: Menschen aus Syrien und Libyen. In den ersten 4 Monaten des Jahres 2015 soll laut dem UN-Flüchtlingshilfswerk mehr als 900 Menschen bei versuchten Überfahrten über das Mittelmehr gestorben sein. Im vergangenen Jahr seien pro Tag 42.500 Menschen gezwungen worden, ihr Zuhause zu verlassen und anderswo Unterkunft zu finden.

Der Strom von Asylsuchenden ist mit dem Untergang eines Flüchtlingsbootes am 19.April 2015 das erste Mal in die Schlagzeilen gerückt. Die Diskussion über den Umgang mit Menschen auf der Flucht nimmt ihren Anfang. In Günther Jauchs ARD-Talkrunde zum Thema „Das Flüchtlingsdrama! Was ist unsere Pflicht?“ tritt das erste Mal Harald Höppner in die Öffentlichkeit. Er schlägt Wellen, denn er tritt für Menschlichkeit ein. Eine Schweigeminute soll die Schlagzeile für die nächsten Tage werden und Fernsehgeschichte schreiben. In der Diskussionsrunde geht es um unterlassene Hilfeleistungen, um Solidarität, um Verantwortlichkeiten – es bleiben Worte. Harald Höppner schreitet zur Tat, kauft einen alten Fischkutter. Die Organisation Sea-Watch entsteht. In ersten Treffen schließen sich Freiwillige an. Harald Förster ist einer von Ihnen.

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Nach mehrmonatigem Aufenthalt in Lampedusa und dem Aufbau eines organisatorischen Netzwerks vor Ort für Freiwilligenhelfer auf dem Boot der Sea-Watch kehrt er zurück. Weitere Einsätze stehen für ihn noch nicht fest.

Seit seinem Aufbruch im Mai 2015 ist viel passiert:

  • Bereits im Dezember 2014 hatte es in Bayern Brandanschläge auf Flüchtlingshäuser gegeben.
  • Die Flüchtlingswelle in der Ägäis nimmt immer größere Dimensionen an. Insgesamt hat sich die Zahl der Migranten, die aus der Türkei nach Griechenland kommen zum Vorjahreszeitraum fast vervierfacht. Im Januar waren es 2 863 Menschen.
  • April 2014: In Libyen warten Hunderttausende Menschen auf ihre Flucht nach Europa. Seit der Intervention des Westens 2011 ist der Staat zerfallen. Schmugglerbanden können ohne Strafen ihre teuren Geschäfte abwickeln.
  • 12.April 2015: Kenia will nach das weltgrößte Flüchtlingslager Dadaab nahe der somalischen Grenze schließen. Ein von Islamisten verübter Terroranschlag Anfang April hatte 150 Menschen getötet.
  • Mai 2015: Beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge werden insgesamt 25.992 Asylanträge gestellt. Im ersten Halbjahr 2015 werden es 179.000 sein.
  • 16.Mai 2015 – Erneut ist in Deutschland ein Brandanschlag auf ein geplantes Flüchtlingsheim verübt worden. In Brandenburg blie
  • 20.Juni 2015 – Weltflüchtlingstag: Geschichten von Flüchtlingen finden Aufmerksamkeit. Das Motto: Flüchtlinge sind Menschen wie Du und ich, die schwierige Zeiten erleben.
  • 13.Juli 2015 – Ungarn hat mit dem Bau eines Zauns zur Sicherung seiner Grenzung vor illegalen Übertritten von Flüchtlingen begonnen.
  • 20.Juli 2015 – Insgesamt 60.000 Flüchtlinge sollen in den kommenden zwei Jahren auf die 28 EU-Staaten verteilt werden. Wer wieviele aufnimmt, sorgt für Kontroverse besonders in Osteuropa.
  • 26.August 2015 – Immer mehr Menschen an der Südgrenze von Ungarn.
  • 28.August 2015 – 71 Menschen sind in einem LKW qualvoll erstickt. Schlepper hatten sie in das Gefährt gepfercht und dort sich selbst überlassen.
  • 31.August 2015 – Ungarn öffnet die Grenzen für Flüchtlinge. Hunderte kommen in Wien und München an.
  • 1.September 2015 – „In Syrien gibt es kein Leben“ … Hunderte Flüchtlinge kommen im Stundentakt am Münchner Hauptbahnhof an.
  • 12.September 2015 – Mehr als 12.000 Flüchtlinge erreichen aus Österreich kommend die Metropole München. Zeltstädte entstehen überall.
  • 13.September 2015 – Deutschland führt an seinen Grenzen vorübergehend Kontrollen ein – Der Bahnverkehr zwischen Deutschland und Österreich wird eingestellt.
  • 15.September 2015 – Bundeskanzlerin Merkel verteidigt das „Willkommen der Deutschen gegenüber Flüchtlingen“ – Grenzkontrollen sollen verschärft werden
  • 16.September 2015 – Ungarische Polizei setzt Tränengas gegen Flüchtlinge ein – Bundeskanzlerin Merkel ist konfrontiert mit den explosiv steigenden Kosten für Asylbewerber.
  • 19.September 2015 – Kroatien fühlt sich überfordert. Die Kapazitätsgrenze der Staaten scheint erreicht zu sein. Bürger helfen weiter ungebrochen, heißen willkommen. Vizekanzler Sigmar Gabriel spricht von einer „modernen Völkerwanderung“. „Den Menschen helfen wo sie herkommen“ ist sein Motto.

In den kommenden Monaten wird es um Aufnahme- und Integrationskraft gehen und die Frage muss erörtert werden, wieweit sich Gesellschaften über ihre Grenzen strecken und wieviel Unterstützung Ländern überhaupt leisten können.

Erinnerung:

Auch Deutsche waren am Ende des zweiten Weltkriegs auf der Flucht aus Polen und der Tschechoslovakei. Sie wurden vertrieben. Und vor dem zweiten Weltkrieg gab es nach dem Reichsbrandtag am 27.2.1933 die erste Fluchtwelle aus Deutschland Richtung Amerika. Eine zweiter Flüchtlingsstrom folgte nach der Bekanntgabe der „Nürnberger Gesetze“.

Ausblick:

Immer mehr wird deutlich, dass Grenzen verschwimmen. „Sind wir nicht alle Menschen“, heisst es auf Seiten der Flüchtlinge und Befürwortern einer Einwanderung. Dagegen stehen Fragen der Machbarkeit innerhalb von Staatssystemen, die Finanzmitteln verwalten und auf Grenzen in der Bezahlbarkeit stossen. Erstaunlich ist das Engagement vieler Bürger besonders in Deutschland, die ungebrochen von politischen Debatten Energie aufwenden.

Herausforderung und Chance:

Wir sind Zeugen wieder einmal Zeugen einer Zeit, in der sich verschiedene Kulturen treffen. Jede Nation trägt ein Feld mit sich. Wir können von Kultur sprechen oder von Glaubensvorstellungen. Eine Begegnung zweier unterschiedlicher Felder wird immer begleitet von Spannungen. Diese kochen vorallem dann hoch, wenn in der Konfrontation mit dem Fremdartigen die eigenen Glaubensmuster aufzuweichen drohen und/oder eine reale Gefahr droht oder auch nur angenommen wird. Es scheint eine Art Urkraft zu wirken, die wachgerufen wird – eine Urkraft, die Veränderung entgegen wirken will und Schutz verspricht. Der Ausnahmezustand kann als Gefahr gewertet werden, kann aber auch Chancen bergen. So wurden in der Geschichte neue Handelsrouten etabliert, neue Ideen ausgetauscht und neue Erfindungen überhaupt erst möglich. In Athen zum Beispielt konnte die attische Demokratie entstehen, als die Bürger der Stadt abstimmten, ob sie gegen eine persische Übermacht kämpfen oder sich in die Sklaverei begeben wollten. Die politische Ordnung war das erste Mal auf dem Prinzip der Vokssouveränität gegründet.

Vielleicht zeichnet sich auch in Europa mit den Flüchtlingsströmen ETWAS NEUES am Horizont der Menschheitsgeschichte ab. Vielleicht gibt es eine Chance, dass Europa sich jenseits von Gesetzen über Akte der Menschlichkeit neu definieren kann. Vielleicht zeigen sich Grenzen, die überwunden werden wollen, um Platz für ETWAS NEUES zu schaffen, das wir noch nicht kennen. Vielleicht ist ETWAS ANDERES veraltet. Vielleicht sind wir in einem Übergang, der sich mit dem Arabischen Frühling im Dezember 2010 und dem Auseinanderbrechen großer Reiche wie der Sowjetunion am 25.Dezember 1991 und dem Fall der Mauer zwischen Ost- und Westdeutschland 1989 schon länger angekündigt hat.