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Unbedingtes JA

Fünf Jahre verbringe ich immer wieder Zeiten auf dem Sofa. Ich kann nichts unternehmen. Mein Körper ist zu schwach für Aktivitäten. In diesem Zustand spüre ich alle möglichen körperlichen Erscheinungen, die man sich nur vorstellen kann: Schwindel, Drehschwindelattacken, Sehstörungen und Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Übelkeit, Durchfall …

Anfangs habe ich mich eingelassen und in das gefühlt, was passiert. „Es wird schon wieder vorbeigehen“, sagte ich mir. Dann kam wieder ein Schub und noch einmal muss ich mich damit abfinden. „Es wird besser werden.“

Heute gebe ich die Bemühung auf, dass es besser werden wird. Es fühlt sich an wie eine Befreiung. Nichts ändert sich. Doch ich kämpfe nicht mehr gegen etwas an, das ich nicht beeinflussen und ändern kann. Stattdessen atme ich. Ich fühle die Belastung in meinem System. Ich spüre, wie mein Körper ein Eigenleben hat. Er reagiert auf die Medikamente, die ich ihm zuführe. Wehrt er sich? Ich kann es nicht sagen.

Vieles hat sich seit der Diagnose meiner Erkrankung in meinem Leben verändert und verändert sich weiter. Die Form meiner Beziehung und meiner Freundschaften. Meiner Arbeit konnte ich nicht wie gewohnt nachgehen. Inzwischen habe ich mich umorientiert. Mein Profil fällt aus dem gesellschaftlichen Rahmen.

Nacheinander wird mir genommen, womit ich mich definieren könnte. Sicherheit gibt es scheinbar nicht mehr. Manchmal fühle ich mich wie ein Ertrinkender in einem großen Ozean. Wenn ich mich an einem vorbei schwimmenden Holz festhalten möchte, dann gibt dieses nach und geht unter.

Im Annehmen meiner Umstände hoffe ich auf keine Rettungsanker mehr. Ich sinke und entspanne. Irgendwo muss ein Boden sein. Das, was passiert, passiert eben. Es wird Teil eines Wirbels, der mich umgibt. Dieses „Reich“ unterliegt der Veränderung – sowieso. Es ist lebendig und in Bewegung. Mit meinen Gefühlen reagiere ich auf diese Bewegungen. Doch im Zentrum ist es still. Ich spüre das Ein- und Ausatmen.

Da ist ein Moment. Und dann ist da noch ein Moment. Ich spüre, dass etwas atmet. Ich spüre Leben. Es gibt nichts zu tun. Etwas ist friedlich in all der Bewegung. Mehr nicht.

Ich erinnere mich an Thomas Hübl, den ich interviewen durfte und finde tatsächlich noch einmal die Textpassage über die Mystiker:

Wahre Mystiker laden das Leben ein, wenn es komfortabel ist – genauso wie sie es einladen, wenn es nicht so komfortabel ist.

Thomas Hübl

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