Bewusstsein

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Im DUDEN findet man unter den Bedeutungen von Bewusstsein:

Bewusstsein

  1. Zustand, in dem man sich einer Sache bewusst ist; deutliches Wissen von etwas, Gewissheit
  2. Gesamtheit der Überzeugungen eines Menschen, die von ihm bewusst vertreten werden
  3. Gesamtheit aller jener psychischen Vorgänge, durch die sich er Mensch der Außenwelt und seiner selbst bewusst wird
  4. Zustand geistiger Klarheit

Quelle: www.duden.de

In der analytischen Psychologie unterscheidet C.G. Jung zwischen Bewusstsein und Unbewusstsein und dem Bereich des kollektiven Unbewusstem, in dem archetypische Bilder zu Hause sind und das Jung seiner Natur nach als universell und unpersönlich beschreibt. Dieses Bewusstsein würde die einzelne Person ererben.

[…] gibt es ein zweites psychisches System einer kollektiven, universellen und unpersönlichen Natur, die in allen Individuen identisch vorhanden ist. Da das kollektive Unbewusste nicht einzeln entwickelt, sondern geerbt wird. Es besteht aus präexistenten Formen, den Archetypen, die erst sekundär bewußt gemacht werden können und welche bestimmten psychischen Inhalten Ihre endgültige Form gibt.

Quelle: https://www.carl-g-jung.de

Der Buddhismus wiederum erklärt, dass Bewusstsein nichts Beständiges ist. Ein Bewusstseinsmoment folgt auf den anderen. Daher wird auch oft vom Bewusstseinstrom gesprochen. Nach der höheren buddhistischen Philosophie (Abhidhamma) besteht der Körper aus 28 materiellen Phänomenen (rupa). Darin heißt es weiter:

Der Geist oder die Psyche (nāma) ist weiterhin aus geistigen, mentalen oder psychische Phänomenen zusammengesetzt, nämlich dem Bewusstsein (citta) – wovon es 89 bzw. in anderer Klasssifizierung 121 Arten gibt – und den Geistesfaktoren, geistigen Eigenschaften oder Qualitäten (cetasika) – 52 an der Zahl. Wichtige Geistesfaktoren für uns sind Gefühl, Wahrnehmung, Emotionen und alles, was unseren Geist prägt und formt, so z.B. Ärger, Neid, Gier, Rücksichtslosigkeit…, aber natürlich auch positive Qualitäten wie Liebe, Mitgefühl, Achtsamkeit, Weisheit, usw.

Quelle: www.abhidhamma.de

Im Buddhismus spricht man eher vom Geist als vom Bewusstsein und meint damit nicht eine mentale Betrachtungsweise, sondern den Raum aller wahrgenommenen Bewusstseinsinhalte, die sich selbst aktiv immer wieder neu schöpfen. Einer meiner Lehrer, der bekannte tibetische Lehrer Sogyal Rinpoche, hat den Geist einmal so beschrieben:

Der Geist ist die Wurzel von Allem: der Schöpfer von Glück und der Schöpfer von Leiden, der Schöpfer von Samsara und der Schöpfer von Nirvana. […] Körper, Sprache und (Gedanken-)Geist sind bekannt als die drei Tore, durch die wir entweder positives oder negatives Karma anhäufen.

Quelle: Study and Follow this! – Sogyal Rinpoche

Weiter unterscheiden die Buddhisten deutlich mehr Bewusstseinszustände, als wir in der westlichen Welt es tun könnten. Zwei bekannte Begriffe sind Shamata und Vipashana. Doch verlassen wir für den Augenblick die Domäne der Begrifflichkeiten. Was kann der Sinn und Zweck der Beschäftigung mit dem Geist sein? Noch einmal Sogyal Rinpoche:

Der Geist, der unverändert gelassen wird, wird seinen natürlichen Frieden finden.

Quelle: Study and Follow this! – Sogyal Rinpoche

Die Beschäftigung mit dem Geist hat also ganz konkrete Auswirkungen auf unser persönliches Leben und das Kollektiv. Ein friedvoller Geist bringt friedvolle Handlungen hervor und benutzt eine friedvolle Sprache. Dabei geht es nicht darum, friedvolle Gedanken zu formulieren. Es geht um den Grundzustand des Geistes selbst.

Wie im Kino auf einer Leinwand bildet unser Geist all unsere Wahrnehmungen ab. Das muss nicht unbedingt dem Erlebten entsprechen. Das Betrachten einer Situation ist vielmehr vom Geisteszustand gefärbt. Wir können eine Situation wie ein 5-jähriger Junge betrachten. Wir können uns als Opfer oder Täter fühlen obwohl andere uns rückmelden, dass die von uns wahrgenommene Situation in ihnen weder die eine, noch die andere Rolle hervorruft.

Weiter führt die Beschäftigung mit dem nackten Bewusstsein dazu, dass der Meditierende den Zusammenhang aller Dinge erkennen kann. Das heißt jetzt aber nicht, dass wir uns vom Logos motiviert an ein Flipchart setzen und die Verbindungen aller Dinge abbilden. Es ist ein Gefühl des Verbundenseins, dass alles Leben durchdringt. In dem Moment, in dem wir uns als Teil alles Geschaffenem empfinden, hört die Trennung und der Kampf auf. Das ist eine höchst persönliche Erfahrung und kein Glaubensatz. In diesem Moment betreten wir transpersonale Bewusstseinsräume oder Bewusstseinserfahrungen, die über die Vorstellung unserer Identität hinausreichen.

Das Erkennen des Geistes und der Geisteszustände lässt sich über Meditation und Visualisation trainieren.

Ohne meine Erfahrungen in der Meditation hätte ich die medizinische Behandlung meiner Erkrankung nicht durchgehalten. Mein Leben ist zu einem völligen Stillstand gekommen. Schwindel und Fatique hätten die Oberhand über meine Psyche gewonnen. Daher bin ich dankbar für alle meine Lehrer, die mir Mediation nahe gebracht haben.

Markus Werner