Atmen

Ich wache auf. Es ist früh am morgen – ca 3:00 Uhr und ich atme.

Für den Normalbürger ist das nichts Besonderes – für mich schon. Ich habe das Gefühl, dass ich Sauerstoff atme – das erste Mal nach langer Zeit. Ich habe das Gefühl, dass sich meine Lungenflügel mit dem frischen Lebenshauch füllen und der Sauerstoff auch transportiert wird – von meinem Blut zu den Zellen.

Ich atme. Langsam und bedächtig. Es ist ein kleines Wunder, das sich hier einstellt.

Mein Körper scheint über ein Wissen zu verfügen, dass ich nicht künstlich hervorbringen kann. Er versucht sein Bestes, mit einer Situation umzugehen. Mein Körper ist ein Wunderwerk. Kein Eingriff kann das leisten, was dieses Gleichgewicht in all den Feedbacks meiner Körperfunktionen leistet.

Ich atme. Seit ein paar Tagen habe ich oft das Gefühl, wie wenn mein Kopf platzen will. Dann habe ich wieder Temperatur und Fieber. Ich fühle mich äußerst schlapp und schlafe viel und tief.

Mit Herrn Prof. Dr. Koschmieder habe ich am Freitag telefoniert. Wenn der Hämatokrit am Montag unter 45% ist, dann kann ich eine Spritze aussetzen.

Etwas bewegt sich in mir. Es sind all die Heilungsmomente, die ich in den letzten Monaten und Jahren aufgesucht habe. Ich fühle mich noch schwach und schlafe viel. Trotzdem habe ich Hoffnung, dass ich jetzt auch körperlich durch ein Nadelöhr durchgehe.