Chantal ist gegangen …

S. hatte den Kontakt zu dieser Frau hergestellt. Sie erzählte mir, dass ihre Freundin den Kampf mit der Borreliose aufgenommen und laut Ärzten gewonnen hatte.

Vor ein paar Tagen hatte mich die Nachricht erreicht, dass sie verstorben ist. Sie hatte am Ende ihres Weges mit einem metastasierendem Brustkrebs und mit einer möglicherweise immer noch aktiven Borreliose zu kämpfen und diese Auseinandersetzung verloren.

Ich lernte sie am Telefon kennen. Als wir vor ca. einem Monat zusammen kamen, lag sie bereits im Hospiz. Sie erzählte mir, dass ein Bekannter ein Krankenhaus in Indien aufmachen wolle für Krebs und Borreliosekranke. Laut ihren Erzählungen scheinen – wie auch in ihrem Fall – Krebs und Borreliose öfters zusammen aufzutreten. Wir unterhielten uns eine halbe Stunde. Immer wieder sagte sie mir, dass die Borreliose besiegbar sei. Doch genauso oft sagte sie mir, dass sie aus dem Hospiz raus wolle. Die Ärzte hätten sie abgeschrieben. Diese ständigen Bekräftigungen ihres desolaten Zustandes würden ihren Willen brechen – ihren Willen, zu heilen und zu genesen.

Dieses Telefonat hat sich in meine Seele gebrannt. Ich erlebte eine Frau auf dem Abstellgleis, die doch einfach nur wieder gesund werden wollte. Es war eine Sackgasse. Ich habe ihre Bemühungen in ihrer Stimme gehört und gefühlt. Sie wollte weiter leben. Doch ihr Körper war wohl inzwischen zu schwach.

In diesen letzten Tagen ihres Lebens hat sie mir Mut gemacht. Ich bin ihr dankbar dafür. Für mich war es grausam zu spüren, wie dieses menschliche Wesen vor dem Abgrund ihrer Erkrankungen stand. Sie war alleine. Immer wieder sagte sie mir: „Keiner ruft mich mehr an! Keiner kommt mehr vorbei!“ Ich teilte ihren Wunsch nach Kontakt kurz später in ihrem Freundes-Netzwerk. Ich weiß nicht, wieviele Menschen sie noch einmal sprechen konnte.

Jetzt muss du nicht mehr kämpfen.
Du hattest gekämpft.
Du hattest nicht aufgegeben.
Jetzt bist du frei.

DANKE DIR für deinen Mut und deinen Zuspruch.

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