Drehschwindel

Alles begann mit einer Drehschwindelattacke, die ich zunächst ignorierte.

Sie trat während eines Gesprächs mit einem befreundeten Seminarhausleiter das erst Mal in meinem Leben auf. Die Welt drehte sich plötzlich wie aus dem Nichts. Ich fing unweigerlich schnell zum Schwitzen an. Der Schweiß stand mir förmlich auf der Stirn und ich krallte mich an der Tischkante fest, die ich vor mir ausmachen konnte. Es war wie ein Spuk. Ich kannte diese Erfahrung nicht. Mein Körper verspannte sich, um nicht zu fallen. Nach etwa 20 Sekunden war der gefühlte Alptraum vorbei und ich hatte meine Orientierung zurück.

Meinem Gegenüber war nichts aufgefallen und ich wunderte mich und erklärte mir, dass es sich wohl um einen Einzelfall handeln müsse.

Etwa drei Monate später kam der Drehschwindel zurück.

Wie aus dem Nichts überfiel er mich am Computer bei einem langen und anstrengendem Skype-Gespräch. Ich hatte Probleme, meine Aufmersamkeit zu halten. Ich spürte ein Unwohlsein erst im Kopf, dann im Magen. Ich ahnte nichts Gutes. Innerhalb von Sekunden brach meine Orientierungsfähigkeit in sich zusammen und die Welt begann das schon einmal erlebte Kreisen. Noch in der Unterhaltung klappte ich den Bildschirm zu während ich mich gleichzeitig auf den Boden sinken ließ. Das Gespräch war unterbrochen und ich hoffte auf ein baldiges Ende der ungewollten Karusellfahrt. Mein Wunsch nach Kontrolle war wie ausgehebelt. Ich konnte nur abwarten. Gott sei Dank kam auch diesmal wieder in weniger als einer Minute mein Orientierungssinn zurück. Doch ich war alarmiert.

Ich besuchte das erste Mal meinen Hausarzt. Einen Schlaganfall konnte er schnell ausschließen. Er stellt starke Verspannungen im Nackenbereich fest und spritzte mir ein natürliches Mittel. Auf die Taubheitsgefühle in den Fingern hatte er keine Antwort.

Einen Monat später war er im Urlaub und ich lief mit den gleichen Symptomen bei seiner Vertretung ein. Wieder war es kein Schlaganfall. Ich besuchte eine HNO-Ärztin und eine Augenärztin. Es wurde nichts festgestellt.

Im Sommer des gleichen Jahres hatte ich eine weitere Drehschwindelattacke – eine der Schwersten bisher. In einem Cafe in Stockholm sitzend hatte ich ein Stück Schokotorte und einen großen Milchkaffee genossen als der Wirbel einsetzte. Diesmal hörte er nicht auf. Ich saß für Minuten am Tisch. Ich hielt mich wie üblich an der Tischkante fest. Ich betete. Doch mir ging es sekündlich schlechter. Schließlich musste ich mich aufraffen und wankte zur Toilette. Dort erbrach ich mich sofort. Der Drehschwindel ließ nach. Ich fühlte mich elend. Meine Partnerin begleitete mich zurück zum Auto und fuhr die weitere Strecke nach Deutschland.

In den Tagen darauf gesellte sich zu den sporadischen Drehschwindelattacken ein dauerhaft fühlbarer, nautischer Wankschwindel. Vorallem beim Laufen bereitet er mir seither Probleme.

Bis Ende 2018 sollte ich weitere insgesamt 19 Drehschwindelattacken haben.