Krankheitserreger

Inzwischen hatte sich meine physische Verfassung weiter verschlechtert.

Ich hatte Gelenkschmerzen in den Ellenbogen bekommen. Meine Beine fühlten sich oft wie Blei an. Ich hatte Probleme beim Aufstehen. Häufiger hatte ich jetzt Glieder- und Muskelschmerzen. Zwischendurch setzten Krämpfe ein. Manchmal überkam mich ein Gefühl von Rippenfellentzündung. Der Höhepunkt waren erste Lähmungserscheinungen im linken Arm und im linken und rechten Bein. Diese dauerten ca. 5 Minuten an.

Im Internet hatte ich eine Symptomliste gefunden, die all meine Symptome abdeckte. Ich schlug meinem Hausarzt eine Untersuchung meines Blutes vor und er willigte ein.

Ein paar Tage später kam der Laborbefund mit einer weiteren Schreckensnachricht zurück: Borreliose.

„Die Aussage über meine Antigene sei alleine nicht aussagekräftig. Es könne sich um eine bereits überwundene Borrelioseerkrankung handeln“, informierte mich der Doc. Doch angesichts meiner bestehenden Symptomatik würde er mir raten, ein Antibiotikum zu nehmen. Ich willigte ein.

Erst durch diesen Befund erinnerte ich mich an einen Sommertag im Jahr 2014, an dem ich tatsächlich von einer Zecke gestochen worden war. Der gemeine Holzbock saß etwas oberhalb von meinem linken Knie. Er zappelte bei Berührung mit seinen Beinen und war seiner Grösse nach zu urteilen noch nicht so lange an meinem Blut. Allerdings hatte er grossen Widerwillen, sich entfernen zu lassen. Die Pinzette griff nicht richtig und so rutschte er oft durch. Mit meiner Partnerin hatte ich deshalb bei einer Apotheke angehalten, um mir eine Zeckenzange zu besorgen.

Zwei Monate nach dem „Zeckenbiss“ hatte ich die erste von 19 Drehschwindelattacken. Ein Jahr später diagnostizierte mir ein Hämatologe PV.

Anfang Dezember 2018 hatte ich einen weiteren Vorstellungstermin bei meinem Hausarzt. Der Satz war knapp und eindeutig:

Sie sind von der Borreliose befreit. Die Titer sind etwas gefallen und sie haben das verordnete Antibiotikum (Doxycyclin) genommen. Alles weitere ist eine Serumnarbe.

Auf dem Laborbericht steht:

Keine signifikaten Änderungen im Vergleich zum Vorbefund. Weiterhin kann sowohl eine aktive als auch eine eine zurückliegende Infektion vorliegen. Im Falle einer durchgeführten Antibiose ist zur Beurteilung des Therapieerfolges in erster Linie das klinische Bild ausschlaggebend. IgG-Ak können jahrelang persistieren.

Wegen der Lähmungserscheinungen suchte ich noch einmal eine Neurologin auf. Sie konnte keine klassische Erkrankung feststellen.

Ich fühle mich täglich schwächer. Das klassische medizinische System hat mich wohl aufgegeben.

Meine Ersparnisse, mit denen ich mich in den letzten Jahren auch Dank der großzügigen Unterstützung meiner Partnerin über Wasser halten konnte, sind bald aufgebraucht. Im neuen Jahr muss ich mich mit Sozialhilfe auseinandersetzen. Sind vier Jahre meines Lebens einfach nur umsonst gewesen?