Bild: Markus Werner ©

Wir sind biologische Wesen

Auf dem Kommunikationskongress 2019 stellt Prof. Dr. Maja Göpel in ihrer Keynote „Diktatur des Jetzt“ drei Prämissen auf, unter denen sie globale Umweltveränderungen ansieht.

1. Trotz Digitalisierung müssen wir feststellen, dass wir immer noch biologische Wesen sind.
Maya Göpel

Das hat Konsequenzen. Denn allzu leicht vergessen wir diese Wahrheit im Zuge des Enthusiasmus über unsere Errungenschaften und Fortschritte in wissenschaftlichen Bereichen. Auf der anderen Seite lehrt uns die Natur, dass wir Krebs, chronische Erkrankungen und Viren immer noch nicht verstehen und oft nur einen sehr beschränkten Umgang damit haben.

Dabei zeigt uns die Natur gerade in Zeiten von Klimawandel und Corona-Virus auf, dass wir nicht unabhängig von ihr existieren können.

Vielleicht wollen wir das gerne vergessen. Doch dann vergessen wir am Ende auch unseren eigenen Körper, den wir zum Leben brauchen und der die Natur und Umwelt zum Überleben braucht. Um es weniger drastisch zu formulieren: Unsere Körper sind ein Teil der Evolution und der Geschichte der Biosphäre auf dem Planeten Erde.

2. Menschsysteme sollten immer mit Umweltsystemen zusammen gesehen werden.
Maya Göpel

3. Zukunft kommt nicht einfach auf uns zu. Zukunft wird von uns gemacht.
Maya Göpel

Ich bin geneigt, bei Punkt drei Abstriche zu machen.

Tatsächlich definieren Wissenschaftler unser Zeitalter als das Zeitalter des Anthropozäns und betiteln damit eine Ära, in der der Mensch maßgeblich in das natürliche Geschehen der Biosphäre eingreift. Die Auswirkungen lassen sich besonders in der Klimaerwärmung durch z.B. die Verbrennung fossiler Brennstoffe sehen. In letzter Konsequenz warnen die Macher der Nachhaltigkeitsziele deswegen davor, die sogenannten planetarischen Grenzen massiv zu überschreiten. Das System unserer Biosphäre würde kippen und wir würden mit härteren, klimatischen Bedingungen konfrontiert werden, die nicht im Detail vorherzusagen sind. Hier halten wie einen Teil von Kontrolle über unsere Handlungen in der heutigen Welt in unseren Händen.

Doch die Zukunft bestimmen wir nicht – auch wenn wir potentiell entscheidende Faktoren für den Untergang des Lebens auf der Erde sein könnten. Es mag eben sein, dass wir gerne Planung, Struktur und Kontrolle in die Welt bringen und darin aufrecht erhalten wollen. Doch das Leben spielt anders und hat andere Rhythmen, an die wir uns erinnern können und die auch Frau Dr. Göpel herausarbeitet. Weiter gilt es, anzuerkennen, dass Menschen viel erfinden und viel entwickeln können. Möglicherweise braucht es einfach nur eine andere Herangehensweise in Verbindung mit Mutter Erde.

Maya Göpel ruft auf:

Lass’t uns so gut wie möglich verstehen, wie diese Ökosysteme funktionieren und unsere Art zu wirtschaften, zu produzieren, Technologien zu entwickeln, in die gut funktionierenden Rückkopplungsschleifen dieser Ökosysteme einbauen.
Maya Göpel

„Danke“, Frau Dr. Göpel. Es ist doch verwunderlich, dass so viele Diskussionen um Nachhaltigkeit darum gehen, wie wir die Natur besser in Einklang mit unserem Verhalten, mit unseren Wünschen und Bedürfnissen bringen können. Darin versteckt sich dann weiter nur unsere Vorstellung von Machbarkeit und Kontrolle. Wir wollen unsere Umgebung an unsere Vorstellungen anpassen.

Gerade in den Zeiten der Bedrohung durch das Corona-Virus fällt auf, dass die Natur förmlich aufatmet, wenn unsere Wirtschaft still steht.

Heißt das nicht im Umkehrschluss, dass die Natur schon lange laut aufschreit, wenn wir im Wachstumswahn produzieren. Arten sterben und Naturreservate sind gefährdet. Wir sägen an unserem eigenen Stuhl. Warum verändern wir dann unseren Umgang mit der Welt nicht? Prof.Dr. Göpel benennt zwei Blockaden: Kurzfristigkeit und Naturvergessenheit.

Der Vortrag lohnt sich zu sehen:

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