Vorwort

Ich liebe das Leben. Seitdem es in mir stiller geworden ist, kann ich seine feinen Bewegungen stärker wahrnehmen. Ich kann den Lauf der Dinge beobachten und bin nicht mehr Motor eines künstlichen Angetriebenseins. Ich schließe Frieden in mir – mit mir, mit meiner Umwelt, meinen Nächsten und mit meinen Umständen. Seit drei Jahren bin ich ohne Arbeit. Drei Jahre lang schlage ich mich mit aus medizinischer Sicht unerklärlichen Symptomen herum. Ein großes Symptom ist der Wankschwindel. Drei Jahre lang hatte ich Zeit zum Meditieren und Zeit für Innenschau. Nach drei Jahren Dauerkranksein stehe ich am Rand der Gesellschaft. Ich beobachte. In dieser Zeit des Hoffens und Bangens habe ich Erkenntnisse gesammelt – eine ganze Schatztruhe voll. Ich sehe die Welt mit anderen Augen. Ich sehe die Welt nüchtern. Mit meiner Erkrankung sind viele meiner Kontakte auf die Probe gestellt. Einige zeigen auf dem Prüfstand der Realität schnell rein persönliche Interessen. Andere blühen förmlich auf und lassen keine Gelegenheit verstreichen, um mir zu sagen, dass sie an meiner Genesung interessiert sind. Trotzdem fühle ich mich oft allein gelassen. Das kommt vorallem aus meiner eigenen Unfähigkeit, meine Lebenssituation, die wie ein Kartenhaus über mir zusammengebrochen ist, angemessen zu kommunizieren.

Inzwischen interessiere ich mich wieder für die Welt. Ich schaue aus einem noch krankem Körper wieder hinaus in den Sonnenschein. Ich begrüße den Reif auf den Dächern und sehe dem Wasser beim Schmelzen zu. Gerade in den letzten Wochen hatte ich mich immer wieder gefragt, wie ich in und mit meinem Zustand einen sinnvollen Beitrag für das Allgemeinwohl leisten könnte. Einfach nur Hartz IV zu beziehen, scheint mir kein guter Weg. Mein Hausarzt sprach das erste Mal von einem Buchprojekt. Das öffnete eine Tür in mir und ein Lächeln zeigte sich auf meinem Gesicht.

Ein mögliches Thema fühle ich schon lange – in jeder Pore meines Wesens. Schon immer habe ich mich für den Kern des Menschseins interessiert. Ist dieser Ansatz zu allgemein? Jeder hat seine eigenen Erfahrungen. Gute wie schlechte Erlebnisse reihen sich aneinander wie die Perlen auf einer Schnur. Kann das Menschsein überhaupt generalisiert werden? Ich tauche ein in das Sein meines Wesens. Da ist Chaos und Stille. In der Stille meiner Orientierungslosigkeit, dem Schwindel und den Schmerzen zeigt sich in mir langsam ein untrügliches Bild. Jenseits der dualistischen – urteilenden – Betrachtung existiert in mir eine Vision. Damit bin ich auf die Welt gekommen. Ich bin begeistert. Es mag sich wie ein rein persönlicher Wunsch anfühlen. Doch tief in mir spüre ich darin eine Art Schöpfungsakt und großes Potential.

Das JA dazu braucht keinen weiteren Gedanken mehr.

Ich frage mich eher wie ich dieses innere Erleben zu Papier bringen soll. Ich würde einen Schreibpartner brauchen und mir wünschen. Es müsste jemand sein, der – wie ich im Moment – ebenfalls von außen auf das Menschsein schauen kann. Ich würde abwarten müssen, bis sich ein geeigneter „Buddy“ bei mir vorstellen würde. Vielleicht würde ich einen Anruf bekommen. Vielleicht würde mir ein Satz in der Konversation eines Freundes begegnen. Vielleicht würde ich eine Einladung erhalten.

Es verging eine Weile.

Noch heute erinnere ich mich an diesen stürmischen Wintertag im Januar, an dem das Schicksal eine Wende nehmen sollte. Ich saß im warmen Büro einer kleinen Wohneinheit am Rechner in der Absicht, mich zu sortieren. Ich schrieb ein paar Worte und Sätze. Ich korrigierte und reihte Buchstabe für Buchstabe erneut an. Ich gliederte und suchte nach dem Sinn meines Schaffens. Am Ende des Tages saß ich erneut vor einem leeren Bildschirm. Ich fühlte mich elend.

Plötzlich schoss mir ein Name durch den Kopf: KHIJIM.

„Du kannst mich aber auch einfachheitshalber Kim nennen.“
Kim? Wer ist Kim?
Ich setzte meine Teetasse ab.

„Es spielt keine Rolle, dass du mich momentan nicht siehst, hörst oder riechst. Es ist einfach nicht wichtig. Du könntest nicht viel mit meiner Gestalt oder meinem Wesen anfangen“, meldete sich die Stimme noch einmal.
„Und wer bist du?“, fragte ich.
„Für dich bin ich Kim – sagte ich schon. Ich bin ein Wesen aus dem All. Deine Mitmenschen würden sagen, dass ich ein Außerirdischer bin. In der Erdkartographie des Sternenhimmels würdet ihr meine Heimat nahe am Sirius finden. Ich habe deinen Ruf gehört.“
„Meinen Ruf?“
„Dein Sehnen und dein Beten. Du brauchst Hilfe“, schloss die Stimme und fuhr fort. „Auch ich brauche Hilfe. Ich bin gekommen, um über die Menschen zu lernen. An vielen Punkten verstehe ich sie nicht so ganz. Habt ihr nicht auch so eine Art „Blaupause“ – eine Art Matrix für euer Sein?“
„Schon …“, stammelte ich innerlich.
„Vielleicht kannst du mir helfen?“, ermutigte es mich.
„Wenn du gute Fragen hast“, entgegnete ich dem unsichtbaren Wesen in mir.
„Ein ganzes Buch voll“, war die prompte Antwort.

Und ich hatte einen Buddy.

„Wann fangen wir an?“, wollte ich wissen.
„Wann immer du willst.“

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